29. Juli 2017

Trend: Zahlungsziel von 90 Tagen - ein Albtraum?

Stellen Sie sich vor, Sie führen eine mittelständische oder große Firma. Denken Sie an eine Branche Ihrer Wahl - Sie erzielen einen tollen Umsatz und am Endes des Monats bleibt sogar ein stattlicher Gewinn übrig. Ihre Kunden sind zufrieden. Auch wenn der ein oder andere etwas schwierig ist, konnten Sie bisher jegliche Wünsche erfüllen. Entsprechend werden auch Ihre Rechnungen pünktlich bezahlt, Sie können bei Ihren Lieferanten Skonti ziehen und somit sogar noch einen Extragewinn erzielen. Ein Dispo-Kredit bei Ihrer Bank ist sicher nicht notwendig.

Und nun das: Die Einkaufsabteilung Ihres Top-Kunden teilt Ihnen mit, dass ab sofort nur noch Aufträge mit 90 Tagen Zahlungsziel erteilt werden. "Was bedeutet das nun?", fragen Sie sich. 90 Tage Zahlungsziel - bisher kam das Geld doch spätestens nach 14 Tagen!

Leider spiegelt dieses Szenario einen aktuellen Trend wider. Viele Deutsche Großkonzerne versuchen so, Ihr Zahlungsziel zu verlängern - mit 0% Kreditzinsen. Bekannte Vertreter solcher Vorgaben sind bspw. ALDI & Co. Produkte werden hier bereits im täglichen Ladengeschäft verkauft, bevor diese bezahlt werden mussten.



Italien ist Vorbild


In anderen Europäischen Ländern gehört ein Zahlungsziel von 90 Tagen zur gängigen Praxis. Vorreiter dieser Vorgehensweise ist Italien. Italienische Firmen begleichen darüber hinaus ihre Rechnungen durchschnittlich erst 60 Tage nach Fälligkeit. Damit erhalten Lieferanten mitunter erst nach fünf Monaten ihr Geld. Für Deutsche Firmen wäre das undenkbar. Nicht selten erleben Deutsche Unternehmer, dass bereits spätestens 30 Tage nach Lieferung und Fälligkeit ein Inkassounternehmen eingeschaltet wird.

Mit dem Zahlungsziel von 90 Tagen bereiten sich gerade größere Firmen bereits heute auf eine eventuelle Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Da die Amtszeit des derzeitigen EZB-Präsidenten, Matio Draghis, am 31. Oktober 2019 endet, wird spekuliert, sein Nachfolger könnte ein Deutscher Präsident werden. In diesem Fall werden die Zinsen definitiv steigen.

Die Falle


Ein alter Kaufmannsgrundsatz besagt: "Sind die Preise ein mal im Keller, dann bleiben sie auch dort!" Also Vorsicht! Für Einkaufsabteilungen ist es viel leichter, Nachlässe über ein längeres Zahlungsziel zu erreichen, anstatt einen geringeren Preis auszuhandeln. Auch Einkäufer erhalten jedoch Zielvorgaben, bei denen Reduktion an erster Stelle steht. Viele Firmen sind allerdings bereits am Limit ihrer Produktionskapazitäten, für geringere Preise also nicht ansprechbar. Ist es also sinnvoll, mit seinem Top-Kunden eine Verlängerung des Zahlungsziels zu vereinbaren?

Die aktuellen Dispo-Kredite bei Banken sind verhältnismäßig günstig. Steigen die Zinsen und somit die Dispo-Zinsen aber an, wird es de facto unmöglich, ein Zahlungsziel von 90 Tagen wieder zu reduzieren. Zahlungsziele sollten also nicht leichtfertig erhöht werden. Ist eine Erhöhung unumgänglich, könnte das sogenannte Factoring eine Lösung darstellen. Factoring-Unternehmen finanzieren Rechnungen bis zu 90 Tage Zahlungsziel. Bei Fragen steht die Inkasso 24 AG selbstverständlich mit Rat und Tat zur Seite. Wenden Sie sich dafür gern an Ihren Spezialisten Frank Dietel, unter 0800 11 44 111.